Holz als
Baumaterial
Wer ein Holzhaus, insbesondere ein
massives Vollholzhaus, bauen möchte, sollte wissen, wie sich der Baustoff Holz
in den verschiedenen Situationen des Alltags verhält. Denn nur wer das Holz
versteht, kann auch damit richtig umgehen und seine vielfältigen Eigenschaften
nutzen. Deswegen werden wir in unserem ersten Teil auf die Biologie des Baumes
eingehen. Die Zellstruktur des Holzes bringt einige Vorteile für den Bau mit
sich. Die vielen Zellen die nach der Trocknung des Holzes luftgefüllt sind,
bewirken die guten Dämmeigenschaften. Holz ist ein natürlicher, organischer und
inhomogener Werkstoff, der sich in vielerlei Hinsicht von anderen Baumaterialien
unterscheidet.
Charakteristisch ist seine ausgeprägte, wuchsbedingte
Abhängigkeit aller Eigenschaften von der Richtung, die Anisotropie. Im folgenden
werden wir auf den biologischen Aufbau, sowie auf die Wuchseigenschaften und die
feuchte technischen Eigenschaften eingehen.
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Abb. 1-1 Biologischer Aufbau
Holz |
Aufbau der Zellstruktur von Nadelholz MS
Markstrahlen F Frühholzzellen S Spätholzzellen G Gefäßzellen
(Tracheiden) H Harzgänge T Holztüpfel
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1.1 Beschaffenheit und
Bestandteile des Holzes
Wasserfreies Holz enthält
bis zu 55 M.-% Zellulose und bis zu 30 M.-% Lignin (Kittsubstanz), das durch
Anlagerung die Versteifung (Verholzung) des Zellgewebes bewirkt.Der Rest besteht
aus zelluloseähnlichen Stoffen (Hemizellulose) sowie aus den in den Zellen
angelagerten Stoffen (Zellinhalt), z. B. Harze, Fette, Gerb- und Farbstoffe.
Diese Holzinhaltsstoffe bestimmen auch die natürliche Dauerhaftigkeit, sowie die
natürliche Resistenz gegen Pilz- und Insektenbefall. Dabei gilt: Holzarten mit
einem dunkel gefärbten Kern (Farbkernholz), wie z. B. bei der Kiefer und
Douglasie, weisen eine höhere natürliche Resistenz auf als Holzarten ohne
Farbkern, z. B. Fichte und Tanne.
1.2
Zellenarten
Die Zellen des Holzes dienen der
Leitung des Wassers mit gelösten Nährstoffen, der Stoffumwandlung, der
Speicherung sowie der Festigung.
1.2.1
Nadelholz
Tracheiden
(?Tüpfelzellen"):
Langgestreckte, spitz zulaufende Zellen von 1-4 mm Länge
(Breite 1/100 der Länge) mit dünnem Stützgewebe und innerem Hohlraum. Leitung
des Wassers durch Öffnungen (Hoftüpfel) in den Wänden, die sich häufig bei der
Verkernung oder auch bei Austrocknung (Fichte) schließen: Behinderung der
Imprägnierbarkeit.
Harzkanäle:
Senkrecht und waagrecht langgestreckt verlaufende Zellengänge
(Ausscheidungen des unter Druck stehenden Harzes bei Verletzung des Holzes).
Markstrahlen
(Parenchymzellen): Breitbändrige vom Kambium nach innen verlaufende
als Speicherzellen dienende Zellenkörperketten. (Bei Tangentialschnitten der
Buche als dunklere längliche Striche, im Radialschnitt als ?Spiegel" erkennbar;
bei Hirnschnitten der Eiche als weiße, zügig radial verlaufende
Linie.)
1.3 Wachstum des
Holzes
Das von den Wurzeln aufgenommene Wasser
steigt mit den im Erdreich gelösten mineralischen Stoffen durch das äußere
Splintholz zur Baumkrone, wo der größteTeil des Wassers an der Unterseite der
Blätter verdunstet und dadurch einen fortlaufenden Nährstoff aufstieg
bewirkt.
Durch Wasser und Blattgrün (Chlorophyll) erfolgt unter
Lichteinwirkung (Fotosynthese) tagsüber die Umwandlung (Spaltung) der
Luftkohlensäure CO2 zu Kohlenhydrate (Traubenzucker C4Hi2O6) unter
Sauerstoffabgabe an die Luft.
Die durch die Bastschicht rücklaufende
Assimilationsprodukte dienen unter Umwandlung in Zellulose (C6Hi0O5) der
Vermehrung der äußeren Zellen. (Die in den Markstrahlen gespeicherte Stärke
bewirkt durch Rückverwandelung in Zucker die Blattbildung im
Frühjahr.)
1.4 Struktur des
Holzes
Beim Baum stellen die Jahresringe den
Holzzuwachs eines Jahres dar. Innerhalb eines Jahresringes wird zwischen dem im
Frühjahr für Wasser- und Nährstofftransport gebildeten weicheren Frühholz und
dem im Sommer gebildeten
festeren Spätholz unterschieden. Je enger die
Jahresringe sind, desto größer ist ihr Spätholzanteil und desto härter und
dauerhafter ist das Holz. Somit bestimmt der Spätholzanteil wesentlich die
Festigkeit des Holzes.
Das Kernholz bezeichnet die inneren Jahresringe, die
als wasserleitende Schicht bzw. speichernde Zellen außer Funktion gesetzt und
mit Holzinhaltstoffen angereichert sind. Der äußere saftführende Holzmantel wird
als Splintholz bezeichnet.
Das Kernholz besitzt eine besser Resistenz gegen
Schädlingsbefall als das Splintholz, ist dafür aber auch nur schlecht zu
imprägnieren. Wie schon vorher erwähnt kann das Kernholz farblich abgesetzt sein
vom Splintholz. Die inneren 5-20 Jahresringe bezeichnet man als Herz oder
juveniles Holz. Dieses zeichnet sich durch die Weitlumigkeit der Zellen aus, das
bedeutet, dass das juvenile Holz eine geringe Rohdichte besitzt. In allen
Hölzern treten Äste in unterschiedlichen Durchmessern auf. Um ein höherwertiges
Holz zu erhalten, werden in der Forstwirtschaft die Äste entfernt, als Ergänzung
oder zum Ersatz der natürlichen Astreinigung. Dabei unterscheidet man zwischen
Grün- und Trockenästung. Letztere ist am wichtigsten. Sie soll den abgestorbenen
Ast oder zurückgebliebenen Aststummel entfernen, bevor er als holzentwertender
Schwarzast einwächst. Zur Durchführung der Ästung sind auf Grund praktischer
Erfahrungen und wissenschaftlicher Untersuchungen Grundsätze und Regeln
aufgestellt worden, deren Beachtung Fehler ausschließt. Die Ästung hat das Ziel
einen möglichst dicken astfreien Holzmantel. Im Schnittholz bilden sich die Äste
in vielfältiger Form ab. In der Nähe von Ästen werden die Holzfasern z. T.
erheblich umgelenkt
Der Faserverlauf im Stamm beeinflusst wesentlich die
Festigkeiten des eingeschnittenen Holzes. Je stärker die Faserabweichungen
bezogen auf die Längsachse ist, z. B. infolge von Drehwuchs, desto niedriger ist
die Festigkeit in Längsrichtung. Faserabweichungen führen zu Verdrehungen beim
Schwinden. Anhand des dargestellten Aufbaus lassen sich drei anatomische
Hauptrichtungen des Holzes definieren: längs, quer-radial,
quer-tangential

Von diesen drei anatomischen Hauptrichtungen hängen die meisten
Holzeigenschaften stark ab, da Holz eine ausgeprägte Anisotropie besitzt. In der
weiteren Betrachtung der Eigenschaften wird nicht mehr zwischen der radialen und
tangentialen Richtung unterschieden, da der Jahresringverlauf im Schnittholz
nicht vorhersehbar ist. Stattdessen wird unterschieden zwischen den
Eigenschaften längs und quer zur Holzfaser. Dabei sind die Eigenschaften quer
zur Faser Mittelwerte aus den Eigenschaften in radialer und tangentialer
Richtung.
1.5 Feuchtetechnische Eigenschaften
des Holzes
Aufgrund seiner Struktur ist Holz dazu
in der Lage Wasser in zweierlei Form aufzunehmen und zu speichern.
1. hygroskopisch: das Wasser ist in den Zellwänden gebunden
2. kapillar:
in den Zellhohlräumen befindet sich freies Wasser Die Feuchtemenge, die
gespeichert werden kann, hängt vom Umgebungsklima ab.
Durch die
hygroskopische Eigenschaft ist Holz in der Lage, seine Holzfeuchte dem
Umgebungsklima anzupassen, d. h. je nach Temperatur und relativer
Luftfeuchtigkeit wird dabei Wasser (Feuchte) aufgenommen, oder abgegeben. Dieser
Vorgang findet aber nicht unbegrenzt statt, sondern nur so lange, bis sich die
Gleichgewichtsfeuchte des Holzes eingestellt hat. Die Gleichgewichtsfeuchte
beträgt bei normal beheizten Räumen zwischen 7% und 15%. Bedingt durch die
jahreszeitlichen Klimawechsel ist die Holzfeuchte stets gewissen Schwankungen
unterworfen.
Im hygroskopischen Bereich beeinflusst die Holzfeuchte alle
physikalischen Eigenschaften, insbesondere das Schwinden und Quellen (s. Kapitel
1.6). Freies Wasser tritt in Bauholz nur dann auf, wenn die Fasern der Zellwände
gesättigt sind (Fasersättigung) und eine länger anhaltende Feuchtezufuhr, z. B.
in Form von Tauwasser, vorliegt. Die Fasersättigung liegt bei den üblicherweise
verwendeten Holzarten im Bauwesen bei einer mittleren Holzfeuchte von um =
30-35%. Dabei wird die Holzfeuchte u als prozentuales Massenverhältnis des im
Holz vorhandenen Wassers bezogen auf das absolut trockene Holz bestimmt. Die
mittlere Holzfeuchte um wird üblicherweise aus mehreren Messungen mit dem
elektronischen Holzfeuchtemessgerät ermittelt.
Um Mängel und Schäden an
Holzbauteilen zu vermeiden, sollten diese mit der zu erwartenden
Gleichgewichtsfeuchte eingebaut werden. In der Praxis hat sich eine
Einbaufeuchte von (15±3)% bewährt.
Eine Einbaufeuchte von 12-18% ist für den
Blockbau notwendig, da beim Einbau von ungenügend vorgetrocknetem Holz mit
Schwindverformungen und Rissen zu rechnen ist. Diese Einbaufeuchte von 12-18%
kann im Regelfall nur von den industriellgefertigten Vierkantbohlen eingehalten
werden, bei industriell gefertigten Rundbohlen wird meist eine Einbaufeuchte von
ca. 20% erreicht. Das Naturstammhaus bildet in dieser Einteilung die große
Ausnahme, da die Stämme meist nicht auf Feuchten unter 30% getrocknet werden
können. Dies ist ein
technisches Problem, da die Stämme meist nicht in
Trockenkammern getrocknet werden, sondern nur luftgetrocknet. Dies kommt zu
einem daher, dass die kleinen Naturstammhaushersteller keine Trockenkammer
haben, aber auch daher, dass die Stämme nicht in die Trockenkammer
passen.
Der Holzfeuchtegehalt wird in der DIN 1052 in der Einteilung in die
verschiedenen Nutzungsklassen (NKL) berücksichtigt. Das System der
Nutzungsklassen ist hauptsächlich zur Zuordnung von Festigkeitseigenschaften und
zur Berechnung von Verformungen unter festgelegten Umweltbedingungen notwendig.
Dabei unterscheidet am die folgenden drei
Nutzungsklassen.
NKL1: Sie ist gekennzeichnet
durch einen Feuchtegehalt in den Holzbaustoffen, der einer Temperatur von 20°C
und einer relativen Luftfeuchte der umgebenden Luftfeuchte der umgebenden Luft
entspricht, die nur einige Wochen pro Jahr einen Wert von 65%
übersteigt.
NKL 2: Sie ist gekennzeichnet
durch einen Feuchtegehalt in den Holzbaustoffen, der einer Temperatur von 20°C
und einer relativen Luftfeuchte der umgebenden Luftfeuchte der umgebenden Luft
entspricht, die nur einige Wochen pro Jahr einen Wert von 85%
übersteigt.
NKL 3: Sie erfasst
Klimabedingungen, die zu höheren Feuchtegehalten führen, als in Nutzungsklasse 2
angegeben.
1.6 Das Quellen und Schwinden -
?Arbeiten" von Holz
Eine Änderung der relativen
Luftfeuchte führt zwangsläufig zu einer Veränderung des Feuchtegehalts in den
Zellwänden des Holzes und damit zu Quell- und Schwinderscheinungen. Das führt
dazu, dass der gesamte Holzkörper seine Dimensionen ändert: Das Holz ?arbeitet".
Wasseraufnahme und Holzfeuchteerhöhung führen zur Quellung. Wasserabgabe und
Holzfeuchteverringerung (Trocknung) führen zum Schwinden. Weil sich die
Luftfeuchte witterungsbedingt oder im Inneren eines Hauses auch nutzungsbedingt
permanent ändert, arbeitet Holz also ohne unterlass, wobei nach Erreichen der
Ausgleichsfeuchte die Maßänderungen jedoch meist gering sind.
Dieser Prozess
läuft aufgrund der Inhomogenität des Holzes in den drei Hauptrichtungen
unterschiedlich ab. Außerdem hat er eine erhebliche Verformung und innere
Spannung zur Folge.

Diese Eigenspannungen führen oft zu den s. g. Schwindrissen, die
als natürliche Ursache für die Bildung eine ungleichmäßige Verteilung der
Holzfeuchte im Holzquerschnitt und unterschiedliche Schwindmaße in radialer und
tangentialer Richtung haben.
Meist fördert auch eine zu schnell und
ungleichmäßige Holzfeuchtereduzierung beim Trocknen die Rissbildung.
Dabei
hat man in der Forstwirtschaft zur Wahl und zum Schlagen der Bäume neue aber
auch alte Erkenntnisse erforscht.
Grundsätzlich gilt, dass man die Bäume im
Winter schlägt. Wobei mit Winter nicht der Kalenderwinter gemeint ist, sondern
der biologische Winter des Baumes, d. h. der Saftstrom im Baum wird eingestellt.
Dies ist in der Regel in der letzten Augustwoche der Fall. Der Saftstrom des
Baumes beginnt wieder Ende Januar bis Februar. Der biologische Winter des Baumes
ist auch von der Region, in der er steht abhängig, deswegen sollte man sich auf
die Monate November bis Januar beschränken. Ein wintergeschlagener Baum hat eine
Holzfeuchte von ca. 45%. Ein weiterer Punkt Schwindrisse zu vermeiden, ist die
Beachtung der Mondphasen. Dieses Phänomen gewann erst in den letzten Jahren
wieder an Bedeutung. Nachgewiesen wurde dieses Phänomen vom Freiburger Institut
für Forstbenutzung und forstliche Arbeitswissenschaft. Weitere Punkte, die
helfen Schwindrisse zu vermeiden, sind die Wahl eines ruhig gewachsenen Baumes
auf dem für ihn idealen Boden. So weisen z. B. Fichten die als Monokulturen
angebaut wurden schlechtere
statische Eigenschaften auf und haben längst
keine so ausgeprägte Resistenz gegen Schädlinge und Pilze, wie natürlich
gewachsene Fichten. Des weitern spielt das Trocknen des Holzes eine Rolle. Das
langsame Austrocknen der Bäume an der Luft dauert zwar länger als die
Kammertrocknung, doch kann das Holz später besser mit
Luftfeuchtigkeitsänderungen umgehen.
Die Schwindmaße radial und tangential zu
den Jahresringen sind erheblich unterschiedlich und sind ein Hauptgrund der
Rissbildung. So ist das Schwindmaß bei Nadelholz in tangentialer Richtung mehr
als doppelt so groß wie das Schwindmaß in radialer Richtung. In der DIN 1052
wird ein mittleres Schwindmaß für die radiale und tangentiale Richtung von 0,24
je 1% Änderung der Holzfeuchte unterhalb des Fasersättigungsbereiches angegeben.
In Faserrichtung schwindet das Holz praktisch nicht.
Im Blockbau darf das
Schwinden unter keinen Umständen vernachlässigt werden, da stehende (z. B:
Fenster- und Türrahmen, Stützen) und liegende Bauteile aufeinander treffen. Eine
Naturstammwand schwindet z. B. auf einen Meter Höhe ca. 8-15 cm. Dabei sei
angemerkt, dass Kernholz geringer quillt und somit auch schwindet als
Splintholz, d. h. das Schwinden ist auch abhängig von der verwendeten Holzart.
Somit sind die unterschiedliche Schwindmaße im Blockbau im Detail separat für
jeden Bau konstruktiv zu lösen.
1.6.1
Setzungen
Eine der bedeutensten Eigenschaften des
Blockhauses ist seine Setzeigenschaft. Unter dem Oberbegriff Setzung werden die
einzelnen Ursachen für diese Eigenschaft beschrieben. Die horizontale Balkenlage
wird mit der zunehmenden last komprimiert. Ein frisch montiertes Blockhaus sackt
zunächst durch Kompression zusammen. Im späteren Verlauf trocknet das Holz,
dadurch schrumpft das Profil noch einmal. Das Ausmaß der gesamten Setzung eines
Blockhauses wird im Einzelnen noch durch weitere Faktoren beeinflusst. Hier
spielen die Ausführung der Profilauflager, die Holzart und die Montageart eine
gewichtige Rolle.